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Studio 9 | Beitrag vom 11.08.2017

Von Anke Petermann

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Ein "Verboten"-Schild an einer leeren Wand (imago stock&people)

Fast nackte Frauen werben für Fisch - noch geht das in Frankfurt. Aber schon bald könnte Werbung, die zumindest unter Sexismusverdacht steht, ernsthafte rechtliche Folgen nach sich ziehen.

Drei nackte Frauen an vielen Frankfurter Straßenbahnhaltestellen: Sie bedecken ihre Geschlechtsteile und sind als Werbe-Motive zur RTL-Sendung "Curvy Supermodels" zu sehen. Sexismus wird derzeit heiß diskutiert in der Stadt. Zumal Frankfurt für das kommende Jahr die Werberechte für städtische Plakatwände und Litfaßsäulen neu vergibt. Das zuständige Planungsdezernat nutzte das, um  die Regeln für Inhalte zu präzisieren. Bislang durfte Werbung nicht "gegen  die guten Sitten  verstoßen oder die verfassungsmäßige Ordnung gefährden". Fortan sind dort auch "diskriminierende, frauenfeindliche und sexistische" Inhalte unzulässig.

Eine Einkaufsstraße im Frankfurter Norden. Mitten auf dem Bürgersteig ein Werbestopper, die moderne Form der Litfaßsäule in Kunststoff, überlebensgroß. "Unverschämt frisch ..." steht auf dem Plakat und zu sehen ist eine nasse Frau mit durchsichtigem Tuch um die Hüfte. Die Venus-Figur wirbt für Venos. Venos ist eine Fisch- und Feinkostmarkthalle in Frankfurt.

Als Fischwerbung? - Grotesk!

"Leí, pero… Spanisch" - "Das habe ich gelesen, aber das Foto hätte ich nicht mit einem Fischmarkt assoziiert", meint Sara Bittlinger, eine Passantin. Die kolumbianisch-stämmige Frankfurterin hat eine Freundin aus Kolumbien zu Besuch und spricht ihr zuliebe Spanisch:

- "Si, es sexista … es grotesco."
- "Ja, das ist sexistisch, weil man den nackten Körper der Frau benutzt, um für Fisch zu werben. Und obwohl sie mit den Armen ein bisschen den Busen verdeckt und die Genitalien mit dem Tuch verhüllt sind, ist es sexistisch - und als Fischwerbung grotesk."
- "Pero am mi parece … muy lindo."
- "Aber ich finde die Fotografie sehr schön, nicht sexistisch. Es ist nicht so, dass die Frau sich hergibt, sich zur Verfügung stellt."

Zwei Freundinnen, zwei Meinungen. Sie lebe seit 32 Jahren in Frankfurt, in einer für Frauenfragen sensiblen Gesellschaft, so erklärt sich Bittlinger die kleine Differenz. Eine kulturelle Frage, fügt sie an.

Die Frau werde mit der Ware gleichgesetzt

Der Deutsche Werberat, das Selbstkontrollorgan der Wirtschaft, hat in dieser Frage inzwischen entschieden. Er stuft die Venos-Werbung als sexistisch ein. Nicht wegen der nackten Haut, sagt am Telefon Geschäftsführerin Julia Busse, sondern weil die Frau durch den Slogan "unverschämt frisch" indirekt mit der Ware gleichgesetzt werde. Zwischen Motiv und beworbenem Produkt gebe es aber keinen inhaltlichen Zusammenhang. Eine Klatsche für Venos vom Werberat - Stefanie Fritzsch, Pressesprecherin der Feinkost-Firma, zuckt die Schultern. Nur mit Fisch zu werben, wäre eintönig: "Zusammen mit unserer Werbefirma haben wir uns halt überlegt, wie kann man Frische bildlich darstellen. Und halt der Bezug von Venos zu Venus ist halt auch naheliegend, und deswegen halt die Dame. Wir denken, wir leben in einer modernen Gesellschaft, wo man so etwas auch mal zeigen kann."

Venos will das Plakat nicht abhängen, muss nun mit einer öffentlichen Rüge des Deutschen Werberates rechnen und will das aussitzen. Damit sei Venos ein Ausnahmefall, so Werberats-Geschäftsführerin Busse. Die meisten Firmen reagierten auf Beanstandungen durch den Werberat.

Kritik und Zweifel an der Selbstkontrolle der Wirtschaft

Doch feministische Kritikerinnen und Kritiker etwa des Hamburger Vereins Pinkstinks oder aus der Linkspartei sehen in solchen Fällen Belege dafür, dass die Selbstkontrolle der Wirtschaft nicht funktioniert. Deshalb fordern sie ein gesetzliches Verbot sexistischer Werbung.

Die Stadt Frankfurt will eine Art Mittelweg gehen. Wenn das SPD-geführte Planungsdezernat mittels neuer Regeln ab 2018 sexistische Werbung auf den 1300 stadteigenen Flächen für unzulässig erklärt, möchte es sich in Konfliktfällen an den Entscheidungen des Werberats orientieren – sprich: erst auf Beschwerden reagieren.

Doch scheint der grüne Koalitionspartner andere Pläne zu haben: Man stelle sich vor, im Vorfeld zu sichten, "was kommt überhaupt drauf auf die Litfaßsäulen oder die städtischen Werbeflächen. Gar nicht so sehr, würde ich jetzt denken, dass es darum geht, Plakate wieder abzuhängen, sondern im Vorfeld zu gucken, wer will mit was werben, ist es sexistisch oder rassistisch? Und wenn es so beurteilt würde, sollte es gar nicht erst gehängt werden", so Gabriele Wenner, Chefin des Frauenreferats, angesiedelt bei der grünen Umweltdezernentin.

Es herrscht Gesprächsbedarf

Offensichtlich gibt es noch Gesprächsbedarf in der schwarz-rot-grünen Koalition im Frankfurter Römer. Und was sagen Männer zur Frage, ob man Werbung wie die von Venos verbieten soll? Da gibt’s Schlimmeres, kommentiert einer die Fischmarkt-Werbung: "Dann müsste man sich Gedanken machen, was man mit dem Internet macht. Man kann ja nicht eine Grenze um Frankfurt ziehen, und dadurch wird die Welt sauberer und schöner."

Sollten sich die Forderungen nach einem gesetzlichen Sexismus-Verbot für Reklame durchsetzen, würden aus Beschwerden Klagen. Zuständig wäre dann nicht mehr der Werberat, sondern die Justiz. Und die braucht wesentlich länger für ihre Entscheidungen. Mit der Werberats-Rüge ist dagegen bereits jetzt klar: Anfang 2018 muss das Feinkost-Unternehmen seine "unverschämt frische" Venus von städtischen Plakatwänden in Frankfurt am Main entfernen.

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